Ferienstart in Wien: Überzeugende Worte für ein Schulsystem, das hinkt

3. Juli 2010 | Kategorie: Bildung, Feature

Die Leistungen zigtausender junger WienerInnen wurden am Freitag anhand einer Skala von 1-5 benotet. Das Zeugnis in der einen Hand, Trostschoko in der anderen. Aber wie steht´s eigentlich um eine Benotung für das Bildungssystem, mit dem sich Wiens SchülerInnen tagtäglich auseinandersetzen müssen? Zwei WienerInnen sprechen klare Worte.

Nicht genügend

Hier strahlende Augen, die sich auf den anstehenden Urlaub am Meer freuen. Dort ang´fressene Gesichter, die sich auf Ferien inklusive Nachzipf-Büffelei freuen (dürfen). Hier ein Zeugnis, das mit Prachtnoten besticht, dort ein anderes, das auf direktem Wege am liebsten verbrannt werden würde. Spielt´s leider nicht. Wiens SchülerInnen stehen zum Teil vor einem zweimonatigen Schul-Aus, das geprägt sein wird von regelmäßigen Nachhilfestunden, mürrischer Laune und einer Restportion Angst.

Angst davor, im Herbst vielleicht wieder nicht mit dem vorherrschenden Notensystem mithalten zu können. 

Doch wie steht es eigentlich um das Bildungssystem, das sich hinter Wiens SchülerInnen versteckt? Wie würde eine Benotung nach aktuellem Stand der Dinge aussehen?

Nicht genügend! Was Besseres würde für die SPÖ-Bildungspolitik keinesfalls rausschauen – so analysieren Landesparteiobfrau der ÖVP Wien, Christine Marek, und ÖVP-Stadträtin Isabella Leeb die Situation. Eine Bildungssituation, die genauest unter die Lupe genommen wurde. Das Fazit ist erschreckend:

Einmal nachsitzen, bitte!

Untersucht wurden die Fächer Deutsch, Lesen, Rechnen, Musik und Technisches Werken. Fünf Gebiete, auf denen Wien eigentlich sehr versiert sein müsste. Die Analyse beschreibt das Gegenteil: 

1. Deutsch: Nicht genügend
Kinder müssen die Chance bekommen, dem Unterricht auch zu folgen. Ohne Deutschkenntnisse ist das für die SchülerInnen aber nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Konklusio der ÖVP Wien: 1. Klasse erst, wenn Deutsch kein Problem ist – davor sollen Kinder mit Sprachdefiziten in eigenen Vorschulklassen fit für Deutsch gemacht werden.

2. Lesen: Nicht genügend
Geburtenstatistiken richtig zu lesen sei keine Stärke der Stadtpolitik. Daher würde sie auch jedes Jahr wieder aufs Neue überrascht sein, wie viele Kinder in die erste Klasse Volksschule kommen.

Forderung der ÖVP Wien: Es muss endlich Schluss sein mit den Containerklassen in Wien (inklusive Schulentwicklungsplan mit konkreten Zielvorgaben für die Errichtung neuer Schulstandorte, Anforderungsprofil für die infrastrukturelle Ausgestaltung aller Wiener Schulstandorte, Finanzplan für die Errichtung neuer und die Sanierung bestehender Schulgebäude, sowie einem Masterplan für ganztägige Schulangebote).

3. Rechnen: Nicht genügend

Aktuell fehlen 1.000 LehrerInnen in Wien.

Vorschlag der ÖVP Wien: In einem ersten Schritt jene 350 LehrerIinnen, die derzeit therapeutische Tätigkeiten ausüben (Sprachheilpädagogen, Psychagogen, Beratungslehrer/innen) sofort für den Unterricht freizumachen. Die therapeutischen Aktivitäten sollten von der Stadt Wien aus den Mitteln für soziale Maßnahmen und nicht aus dem Bundesbudget für LehrerInnen bezahlt werden).
4. Musikerziehung: Nicht genügend
In der “Musikhauptstadt” Wien gibt es gerade einmal 30 Musikschulen. Zum Vergleich: In Niederösterreich sind es 420 (!).
5. Technisches Werken: Nicht genügend
Die “Container” sind in Wien Dauer- statt Notlösung. Kinder frieren im Winter oder leiden im Sommer unter Hitze (ganz abgesehen vom Schimmelbefall). 

Klingt nach einem klaren Nachzipf für die Stadt.

Schöne Ferien!

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