Wenn der Kopf nicht frei ist: Sozialarbeit in Wiens Schulen
21. Februar 2010 | Kategorie: Bildung, Idee der WocheWenn die Leistung nachlässt, kommt es immer wieder zum voreiligen Schluss, dass die Schüler einfach zu wenig dahinter sind. Doch ganz so einfach ist es nicht…
Null Bock?
Konzentrationsschwierigkeiten, Lernschwächen, Leistungsabfall, schlechte Noten. Wer kennt das nicht? Ein paar wenige Ausnahmen vielleicht. Diejenigen, die die Symptome kennen, haben meist aber auch ein Gefühl dafür, dass “einfach mehr lernen” nicht immer des Rätsels Lösung ist. Hinter schlechten Noten steht oftmals mehr als eine zähe Phase, in der man einfach keinen Bock auf Lernen hat. Bei vielen Wiener SchülerInnen steckt ein Kopf dahinter, der alles andere als frei ist: Voll mit familiären Problemen, sozialen Schwierigkeiten und/ oder psychischen Belastungen, die den Weg hin zu einer “durchschnittlichen” Belastbarkeit bzw. einer Belastbarkeit, wie sie Schule und Leistungsgesellschaft nun mal fordern, versperren.
Ausbruch
Auch die Gewaltbereitschaft unter Wiens Jugendlichen ist immer wieder eine Konsequenz von Konflikten, die in den SchülerInnen brodeln. Wien hat das Problem zum Teil schon erkannt und in einigen Schulen Sozialarbeiter eingesetzt, die mit fachlichem Fein- und Fingerspitzengefühl an die Thematik herangehen sollen. Allerdings gibt es in Wien rund 600 Schulen – die Sozialarbeiter, die bisher eingesetzt wurden, können sich bei Weitem nicht mit dem Bedarf messen, der unter den SchülerInnen vorhanden ist. Mindestens ein Sozialarbeiter pro Schule würde da schon eher Sinn machen, vor allem wenn man bedenkt, dass sich Jugendliche nicht von heute auf morgen öffnen können und auch nicht wollen – die Phase der Sozialarbeit braucht also Zeit. Und Raum. Und der sollte ihr gegeben werden.




